Das Fahrzeug der Marke eCobus des Wiesbadener Herstellers Contrac wurde in den vergangenen beiden Jahren entwickelt und in Portugal gebaut. Nach umfassenden technischen Prüfungen, der TÜV-Zulassung für den deutschen Straßenverkehr und den Öffentlichen Personennahverkehr im Linienbetrieb sowie umfangreichen innerbetrieblichen Vorbereitungen kann das Fahrzeug nun im Linienverkehr auf der Offenbacher Linie 103 eingesetzt werden. Hier wird es im Testbetrieb zunächst bis zum 15. Dezember verkehren.
Mit dem Probebetrieb eines rein elektrisch betriebenen Zwölf-Meter-Busses betritt die OVB völliges Neuland. Derzeit gibt es außerdem nach OVB-Angaben in ganz Deutschland kein Verkehrsunternehmen, das einen zwölf Meter langen Elektrolinienbus betreibt. Lediglich vereinzelt setzten Verkehrsanbieter Kleinbusse mit Elektroantrieb ein. Daher seien die Verantwortlichen bei der OVB auch „gleichzeitig gelassen und gespannt“, wie OVB-Geschäftsführer Volker Lampmann sagt. „Wir rechnen damit“, so Lampmann, „dass der Bus zuverlässig auf der Linie 103 fahren wird und sind zuversichtlich, dass wir unseren Fahrgästen mit dem Elektrobus einen guten und emissionsfreien Weg von Haltestelle zu Haltestelle anbieten können. Zugleich müssen wir auch schon jetzt um Verständnis werben: Der Elektrobus ist ein Pilotprojekt, seine Erprobung dient der Erkenntnis, welche technischen Herausforderungen noch bewältigt werden müssen und in welche Richtung die Hersteller weiter gehen sollten. Wir hoffen aber, dass technische Probleme weitestgehend ausbleiben.“
Realisiert wurde der Elektrobus von der Wiesbadener Contrac GmbH, die hauptsächlich Flughafenvorfeldbusse herstellt und vertreibt. Basierend auf dem Konzept des Aluminium-Flughafenbusses „Cobus“, der seit 1978 produziert wird, wurde nun ein schmaleres Modell gebaut, der eCobus. Dieser ist sowohl mit konventionellem Diesel-, als auch mit Elektroantrieb erhältlich und entspricht in seiner Bauweise den Anforderungen an einen Bus, der im Linienbetrieb eingesetzt werden darf. Das Fahrzeug ist mit einem permanenten Magnetmotor ausgestattet, der seine elektrische Energie aus sieben Lithium-Ionen-Batterien erhält, die über eine Gesamtkapazität von 150 kWh verfügen. Je nach Streckenprofil und Einsatzart reicht diese Energie dazu aus, das komplette Fahrzeug circa 120 bis 160 Kilometer fahren zu lassen. Ein einzelner Umlauf des Busses auf der Offenbacher Strecke der Linie 103 beträgt zunächst nur etwa 90 Kilometer, wodurch gewährleistet ist, dass der Elektrobus zuverlässig und ohne Batterieschwierigkeiten eingesetzt werden kann.
Aufgeladen wird der Bus an einer stationären Ladestation auf dem Betriebsgelände der OVB. Drei Stunden soll der 100-prozentige Aufladevorgang dauern. Außerdem verfügt der eCobus über eine On-Board- Ladevorrichtung, über die der Bus an jeder haushaltsüblichen Steckdose geladen werden kann. Der Elektrobus hat zwei extrabreite Türen, die das Ein- beziehungsweise Aussteigen der Fahrgäste komfortabel ermöglichen. Für Kunden mit eingeschränkter Mobilität ist eine Rollstuhlrampe verfügbar. (ah)