Pläne für eine Verlagerung des Rohbaus ins Ausland gab es bei Evobus schon länger. Nun hat Daimler Buses bekannt gegeben, dass man den Bus-Rohbau komplett nach Tschechien verlegen wird.
Bis 2028 soll der Rohbau im Busgeschäft für die Daimler-Standorte Mannheim, Neu-Ulm und Ligny-en-Barrois (Frankreich) vollständig nach Holýšov in Tschechien wandern. Dafür habe der Gesamtbetriebsrat die bestehende Zukunftssicherung für die Evobus-Beschäftigten in Deutschland von 2024 bis Ende 2033 verlängern können. Betriebsbedingte Kündigungen seien damit bis dahin ausgeschlossen.
Das Unternehmen habe mit dem Gesamtbetriebsrat ein „Zukunftsbild zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und der deutschen Standorte vereinbart“, hieß es laut Mitteilung des Busherstellers am Mittwoch, 1. März. Gleichzeitig sollen bis Ende 2030 etwa 150 Millionen Euro in die Werke in Mannheim und Neu-Ulm investiert werden.
Der Standort Mannheim soll nach Angaben des Unternehmens künftig das Kompetenzzentrum für E-Stadtbusse werden. Ab 2024 sollen hier nur noch elektrische Stadtbusse produziert werden. Außerdem werde die Fertigung von Komponenten verstärkt. Neu-Ulm bleibe das Kompetenzzentrum für Reisebusse und werde weiterhin als einziger Standort Reisebusse der Marke Setra fertigen.
Verschärfte Marktsituation durch die Elektromobilität
Ziel der „strukturellen Änderungen“ sei es, dauerhaft die Kosten in Deutschland zu senken und so die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Neben der Verlagerung des Rohbaus nach Tschechien solle zudem die Zusammenarbeit im europäischen Produktionsverbund ausgebaut werden. Die Stückzahlen der Fahrzeuge würden künftig abhängig von der Auftragslage flexibel verteilt.
Der Mix aller Maßnahmen solle schrittweise zu mehr Kosteneinsparungen führen, sagte Till Oberwörder, Chef der Bussparte von Daimler Truck. Er begründete die Maßnahmen mit neuen Wettbewerbern bei der E-Mobilität und einer verschärften Marktsituation, weshalb sich das Unternehmen bei den Kosten besser aufstellen müsse.
„Es gibt viele neue Wettbewerber, die E-Busse anbieten. Diese verschärfte Marktsituation führt dazu, dass wir uns in der Produktion kostenseitig besser aufstellen müssen. Das betrifft insbesondere unsere deutschen Werke. Wir wollen unseren Kunden auch weiterhin die besten Produkte zu attraktiven Konditionen anbieten – und das Zukunftsbild macht genau dies möglich“, sagte Oberwörder weiter, der betonte: „Wir sind und bleiben der einzige Hersteller, der weiterhin in Deutschland Stadt- und Reisebusse fertigt.“
In Mannheim sind laut Oberwörder 650 Mitarbeiter im Rohbau tätig. In der ersten Phase der Verlagerung, die jetzt sofort beginne, seien zunächst 250 Mitarbeiter betroffen. Diese sollen nun andere Aufgaben übernehmen und dafür qualifiziert werden. In Neu-Ulm seien keine Beschäftigten betroffen.
Betriebsrat: Blockade hätte ein „Sterben auf Raten bedeutet“
Man müsse die Verlagerung des Rohbaus ins Ausland akzeptieren, erklärte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Evobus, Bruno Buschbacher. Nur so könne das Unternehmen die notwendige Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Eine Blockade hätte „in den kommenden Jahren nur noch mehr Unsicherheit gebracht und letztlich ein Sterben auf Raten bedeutet“. So sichere man die „Traditionsstandorte Mannheim und Neu-Ulm langfristig ab“ und gebe den Kolleginnen und Kollegen eine verlässliche Zukunftsperspektive, sagte Buschbacher. Beide Standorte hätten nun eine „führende Rolle bei der Entwicklung und Produktion künftiger Produkte“. Für die beiden Standorte Mannheim und Neu-Ulm ist die Mindestgröße der Stammbelegschaft in der Produktion auf jeweils 1500 festgelegt. Eine Deckelung der Produktionsstückzahlen wird es in Deutschland nicht geben, betonte Daimler Truck. „Wenn die Aufträge da sind, lässt sich auch Wachstum in der Belegschaft erzeugen“, sagte Buschbacher.
Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sprach von einem „sehr guten Resultat“, das von der gemeinsam getragenen Verantwortung von Arbeitgeber und Arbeitnehmern zeuge.
„Das sind gute Nachrichten für den Industriestandort Mannheim“, teilten auch die Mannheimer SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei und Boris Weirauch mit. „Es waren harte Verhandlungen und Auseinandersetzungen für die beiden Standorte, aber ich glaube, es hat sich gelohnt“, teilte der Geschäftsführer der Gewerkschaft IG Metall in Mannheim, Thomas Hahl, mit. Die Verlagerung sei ein schmerzlicher Einschnitt, jedoch habe man einen adäquaten Ersatz für die Beschäftigung am Standort vereinbaren können.