Wer Busse von Scania kennt, der weiß, dass häufig Aufbauhersteller hinter den Fahrzeugen stecken. Noch bis vor gar nicht so langer Zeit werkelten bis zu unglaubliche 150 Aufbauer für den schwedischen Riesen. Dass das nicht unbedingt von Vorteil sein muss, ließ sich an der teilweise problematischen Service-Abwicklung festmachen. Mittlerweile wurde die Zahl der Firmen, die im Auftrag Busse fertigen, drastisch reduziert. Die Strategie, die dahinter steckte, hieß „Scania + 20", was nichts anderes bedeutet, als dass künftig nicht mehr als 20 Aufbauhersteller für Scania tätig werden sollen. Einer, der geblieben ist, und der seine Arbeit außerordentlich gut macht, ist die Karosseriefabrik Lahden Autokori Oy. Kunden, die einen der seit 2007 gefertigten OmniExpress-Busse besitzen, bestätigen die Qualität der Fahrzeuge. Kein Wunder, Scania hat seine Qualitätskriterien deutlich verschärft, wozu auch eine kontinuierliche Überwachung der Partnerunternehmen zählt. Und so vermarktet Scania den OmniExpress selbstbewusst als vollwertigen Scania, anders, als es früher beispielsweise bei einem Scania Irizar der Fall war. Die Lahden Autokori Oy wurde schon 1945 gegründet. Anfangs besaßen die Busse einen Holzaufbau. 2011 verließen 247 Busse die beiden Werke von Lahden, dieses Jahr will man die stolze Zahl von 305 Bussen absetzen.
Die OMNIBUSREVUE bekam den Scania OmniExpress 3.20 zum Test, das ist die flachste Variante. Drei Höhen werden gebaut, neben dem genannten 3,20 Meter hohen Fahrzeug werden die Busse auch in 3,40 Meter und 3,60 Meter angeboten. Dazu kommen Längenvarianten zwischen 10,5 und 15 Metern. Durch die modulare Konstruktion, so verspricht Scania, ist es möglich, in Zehn-Zentimeter-Schritten jede beliebige Länge dazwischen zu realisieren. Zu den Antriebsstrangversionen zählen 9- und 13-Liter-Euro-5- und EEV-Motoren von 230 bis 440 PS kombiniert mit der elektronischen Schaltung Scania Comfort Shift, der automatisierten Schaltung Scania Opticruise oder einem ZF-Automatikgetriebe – in sämtlichen Fällen mit integrierten Retardern. Eine weitere Motorversion für alternativen Kraftstoff ist der Scania Ethanolmotor, der zum ersten Mal in einem solchen Bustyp angeboten wird.
Auch bei den Türen ist Scania flexibel. Die zweite Tür kann sowohl in der Wagenmitte als auch im Heck verbaut werden. Die Mitteltür ist entweder als klassische Doppeltür ausgeführt oder als breite Einfachtür. Das Gerippe besteht zu 100 Prozent aus Edelstahl. Gefertigt in einer Art und Weise, die unter anderem auch VDL beim Futura anwendet: Die einzelnen Segmente wie Heck, Front und Seiten werden separat vorgefertigt und anschließend als Ganzes auf das Scania Fahrgestell montiert, was in diesem Fall „verschweißt" heißt. Dabei legt Lahden großen Wert auf seine überarbeitete Fertigung: Auf Nieten und Schrauben wird dort, wo es nur irgendwie geht, verzichtet. Das soll die Korrosions- und Klapperanfälligkeit mindern. Und in der Tat, auf dem Rüttelteil unserer Teststrecke verhielt sich der Bus auffällig ruhig.

Der Grundpreis liegt bei 206.973 Euro
Äußerlich wirkt der 3,20 Meter flache OmniExpress von seinen Proportionen her am stimmigsten. Seine Front markiert ganz klar die Zugehörigkeit zur Scania-Familie, auch wenn der sonst typische Scania-Schwarz-Anteil in der Bugmaske eher minimalistisch ausfällt. Obwohl der Bus über einige Schwünge im Front- und Seitenbereich verfügt, präsentiert sich das Fahrzeug insgesamt eher als nüchterner Alltags-Arbeiter. Da versprüht noch am ehesten das Heck einen Hauch von Fernweh. Die Heckscheibe stemmt sich markant in die Flächen über der Motorklappe, die geraden Rückleuchtenleisten erklimmen dazu passend den insgesamt sehr strengen Bus-Abschluss. Die Rückleuchten waren beim Testbus als Leuchtmittel-Mix ausgeführt: Der Einsatz von LEDs und herkömmlichen Glühlampen scheint uns nicht ganz konsequent bei der praktischen Umsetzung, zumal ausgerechnet den Rückfahrscheinwerfern die langlebige LED-Technik spendiert wurde. Bei den Frontscheinwerfern setzt der OmniExpress auf die immer häufiger anzutreffende Punkt-Scheinwerfer-Optik. Das ist zwar nicht mal ansatzweise so individuell wie die Leuchtpartien beispielsweise einer ComfortClass, dafür ist das Argument für die hier gewählte Lösung unschlagbar: Sie kostet nur einen Bruchteil. Der Preis ist heiß, das gilt ganz besonders für den OmniExpress. 206.973 Euro werden als Grundpreis aufgerufen. Unser besser ausgestatter Testbus kostet mit 228.513 Euro auch noch nicht die Welt. Dazu gibt es inklusive ein interessantes Garantie- und Wartungspaket: Für das zweite und dritte Jahr ist ein Antriebsstrang-Vertrag inkludiert, Scania spendiert eine zweijährige Aufbausachmängelhaftung sowie zusätzlich einen zweijährigen Wartungsvertrag. An Bord geht es dann über eine einflügelige Tür vorn oder eine doppelflügelige Tür in der Mitte. Die Stufenhöhen sind angenehm niedrig, kein Wunder bei einer Gesamtfahrzeughöhe ohne Klimaanlage von gerade einmal 3.100 Millimetern. Beim Fahrgastraum sollte man keine designerischen Überraschungen erwarten, alles wirkt funktionell. Zugleich aber auch erstaunlich hell, fast schon freundlich. Das haben wir in diesem Segment auch schon ganz anders gesehen. Die Sitze sind auf Podesten befestigt, ein Modul im Bereich gegenüber Tür 2 lässt sich herausnehmen, dann ist Platz für einen Kinderwagen, einen Rollstuhl oder, wenn diese nicht an Bord sind, für vier Passagiere, die dann auf zwei Klapp- bänken Platz nehmen können. Insgesamt dominiert im Innenraum Kunststoff. Durch geschickte Strukturierung jedoch wirkt das ganze nicht billig. Vom Reisebus Touring aus schwedisch-chinesischer Produktion waren wir diesbezüglich deutlich weniger angetan. Während der Fahrt spüren die Fahrgäste keine Vibrationen, diese können allerdings im Stand oder bei Langsamfahrt auftreten. Dann brummt und dröhnt es teilweise recht erheblich, was aber möglicherweise ein Einzelproblem bei der individuellen Abstimmung ist. Den Fahrer erwartet ein Rundum-Sorglos-Paket. Der Fahrerarbeitsplatz hat eigentlich alles, was für die große und die kleine Fahrt benötigt wird. Gut gefallen hat uns, dass Scania sämtliche Bedienelemente rund um den Fahrer positioniert hat. Dennoch ist das Cockpit gespickt mit jeder Menge Schalter und Knöpfe, die wollen erst einmal alle sortiert werden. Hier hätte etwas weniger deutlich mehr bedeutet. Rechts neben dem Lenkrad befindet sich die Konsole mit der Unterhaltungselektronik und der Lüftungsbedienung. Und ganz weit unten sitzt der digitale Tachograf. Zu weit unten. Gelungen ist das farbige Zentraldisplay. Durch die einzelnen Menüpunkte blättert man per Lenkradbedienung. Das ist zwar ein wenig fummelig, doch das Bedienkonzept, welches dahinter steckt, lässt sich einfach erlernen. Die Zeigerinstrumente sind auf zwei große und zwei kleine beschränkt – so lassen sich prima die wesentlichen Informationen auch unbewusst abrufen.