Als wir vor zwei Jahren über den chinesischen Bus Zhong Tong Sunny berichteten, war noch nicht ganz klar, wohin dessen Reise bei uns in Deutschland gehen wird. Das Grundkonzept hinter diesem Bus erschien zwar schlüssig, doch bekanntlich fällt es gerade Anbietern aus Fernost bei uns nicht leicht, Fuß zu fassen. Der Grund dafür ist zum einen der fehlende Bekanntheitsgrad, ein fehlendes oder nur äußerst schwach ausgebautes Service-Netz und oftmals auch Probleme in Sachen Qualität. Nun hat Zhong Tong aber mit der ZT Bus AG einen kleinen, aber hartnäckigen Vertriebspartner gefunden, der es geschafft hat, Schritt für Schritt den Sunny bei uns zu etablieren. Und mittlerweile gibt es auch erste, längere Erfahrungsberichte und Einschätzungen von Busunternehmern, die einen Sunny eingesetzt haben. Ein Beispiel ist Roland Reisen in Beckum.
Der kleine Busbetrieb bedient im Auftrag der RVM Linien im Münsterland und hatte Gelegenheit, einen Sunny City über 60.000 Kilometer zu fahren. Ergebnis: Sowohl Fahrgäste als auch Fahrer waren begeistert von diesem Bus. Störungen oder Pannen: Fehlanzeige. Kein Wunder also, dass sich Chef Jürgen Drögemüller ohne zu zögern einen weiteren Sunny auf den Hof holte. Mehr Infos dazu am Ende des Artikels unter „Praxiserfahrungen“.
Am auffälligsten beim Sunny City der neuesten Generation ist ohne Frage seine gerade Front. Sie wirkt sehr modern, trotz oder gerade wegen ihrer konventionellen Form. Endlich gibt es nun auch eine Doppeltür vorn. Das war bei der schrägen Front aus Platzgründen nicht möglich. Die Frontscheibe ist übrigens horizontal zweigeteilt. Hinter einer leichten Schräge verbirgt sich die Matrix-Anzeige, die eine IBIS-Schnittstelle besitzt. Gekonnt wurden die vorderen Positionsleuchten platziert, diese fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Die Bugmaske lässt sich mehrgeteilt öffnen, dann erhält man Zugang zu den gängigen Service-Optionen. Überhaupt wirkt der Bus in seiner Gesamtheit sehr glatt- und großflächig. Die Seitenscheiben sind eingeklebt und ermöglichen eine problemlose Beklebung mit Werbung. Lackiert wird der Sunny übrigens in China beim Hersteller, insgesamt hat der Busunternehmer vielfältige Wahlmöglichkeiten, wenn es um die Konfiguration des Fahrzeugs geht. Wohl kaum ein anderer Hersteller lässt derart viele Konfigurations-Optionen zu, wie es bei Zhong Tong der Fall ist. Dabei kann sich bereits die Serienausstattung sehen lassen. Wer den Basispreis von knapp 160.000 Euro zum ersten Mal hört, dürfte wohl ungläubig schauen, das ist schon mehr als ein Kampfpreis. Dennoch finden sich im Sunny City jede Menge modernster Komponenten. Der Motor ist ein Cummins, der 285 PS leistet und seine Abgasstufe Euro 5 beziehungsweise EEV mit Hilfe von AdBlue erreicht. Als Getriebe ist das Voith Diwa verbaut und Wabco steuert das ECAS-Federungssystem bei.

Langlebigkeit: Stahlgerippe wird komplett KTL-tauchlackiert
Eine Besonderheit bei diesem Stadtbus ist das Thema Korrosionsschutz. Das Stahlgerippe wurde nämlich komplett KTL-tauchlackiert. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, sorgt aber für Langlebigkeit. Die Scheiben an den Türen sind nun doppelverglast, das gilt leider nicht für die Seitenscheiben des Fahrgastraums. Genauen Betrachtern dürfte auffallen, dass der Dachbereich nun durchgehend flach ist und sich nicht mehr wie zuvor eine Stufe in Höhe der Fahrzeugmitte befindet. Das bedeutet, dass der Innenraum nun durchgehend auf einem Niveau ist, möglich wurde das durch das Absenken der Fußbodenhöhe im hinteren erhöhten Bereich. Das hat zudem den angenehmen Effekt, dass die Treppenstufen flacher ausfallen. Auf Wunsch kann der Sunny zudem mit nur einer Stufe und einer zusätzlichen Schräge ausgestattet werden. Das Vorhandensein von nur einer Stufe ist in bestimmten Bundesländern Förderungs-Voraussetzung. Der von uns getestete Bus besaß ein Fahrgastinformationssystem von Mobitec, welches problemlos über die IBIS-Schnittstelle frei konfiguriert werden kann. Als weiteres interessantes serienmäßiges Feature hat Zhong Tong den Bus mit einem Telematik-System ausgestattet, über welches sich Fernauslesungen oder GPS-basierte Dienste realisieren lassen. Damit besitzt der Bus die Voraussetzungen, um auch in modern ausgelegten ÖPNV-Strukturen bestehen zu können. Beim ersten Bus, den wir vor zwei Jahren fuhren, bemängelten wir den zu großen Wendekreis und das überdimensionierte Lenkrad. Beides wurde behoben, der Hersteller hat zudem den Fahrerarbeitsplatz kräftig nach den Vorgaben der ZT Bus AG überarbeitet. Besaß der Instrumententräger in der ersten Version noch eine unnatürliche Seitenneigung, kommt nun eine völlig geänderte Variante zum Einsatz. Gut gefallen hat uns das farbige Zentraldisplay, in welchem sich so gut wie sämtliche Betriebszustände ablesen lassen. Allerdings lässt sich der Bus auch ohne CAN-Bus-Technik bestellen, dann kommen herkömmliche Anzeigen zum Einsatz. Die Sicht des Fahrers ist ausgezeichnet. Sehr gut gefallen haben uns die modernen Spiegelsysteme, mit denen jeder Winkel rund um den vorderen Bereich eingesehen werden kann. Das Radio, der digitale Tacho, IBIS-Bedienung und das Klimacenter sind nun nach oben über den Fahrerplatz gewandert, das sorgt für eine bessere Übersichtlichkeit. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Positionierung der Voith-Schaltgruppe unter dem Fahrerfenster. Wahrscheinlich fehlte an der konventionellen Stelle rechts vom Lenkrad schlicht der Platz. Den nimmt nämlich ein großer Farbmonitor ein, über den die Rückfahr-, Türen- und Überwachungskameras ausgegeben werden können. Das Überwachungssystem ist übrigens auch im hier angegebenen Preis enthalten.
Hohe Laufruhe und gute Schalldämmung
Beleuchtet wird der Bus im Innenraum mit Leuchtstofflampen, die aber besitzen zusätzlich eine blaue Nachtoption. Das sieht nicht nur toll aus, es ist auch ein wichtiger Punkt, wenn es um die allgemeine Erhöhung der Akzeptanz des ÖPNV geht – Stichwort Nachtschwärmer. Es ist fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Lichtfarbe natürlich frei wählbar ist. Die Straße erhellen H7-Scheinwerfer, LEDs finden sich derzeit noch nicht am Bus. Das ist natürlich schade, doch es muss ja noch Raum für Modifizierungen geben, die mit Sicherheit auch kommen werden. Fahren lässt sich die neueste Generation des Sunny City ebenso problemlos wie sein Vorgänger. Der Cummins schiebt ordentlich, die 285 PS reichen völlig aus. Im Leerlauf fielen uns starke Fahrzeugvibrationen auf, die sollten sich aber nachjustieren lassen. Während des Fahrbetriebes jedoch überzeugte der Motor sowohl durch Laufruhe als auch durch eine gute Schalldämmung. Noch einmal optimiert wurden die Schaltvorgänge des Automatik-Getriebes. Die Gänge werden butterweich nach oben und unten geschalten, nach wie vor aber agiert die Bremse sehr bissig, erfordert also einen sensiblen Bremsfuß. Erstaunt hat uns die Straßenlage. Obwohl der Bus vorn nur eine Starrachse besitzt, bügelt er Unebenheiten extrem sauber aus. Mit ein Grund dafür dürfte auch die moderne Wabco-Federung sein, die eine sogenannte „Anti-Schlechtweg-Option“ besitzt. Was die Sicherheit angeht, bewegt sich der Sunny City im üblichen Rahmen, was Fahrzeugsteifigkeit und -festigkeit angeht. Hervorhebenswert ist aber die Tatsache, dass sich der Bodenrahmen bis zur Front erstreckt. Das ist wichtig bei einem Zusammenstoß, um den Fahrer besser schützen zu können. Nachgebessert wurde bei der Wahl der verwendeten Materialien im Innenraum. Das lässt sich recht einfach mit dem „Nasentest“ überprüfen. Unangenehme Ausdünstungen sind nun nicht mehr zu spüren. In Sachen Verarbeitungsqualität brauchte sich Zhong Tong bisher schon nicht zu verstecken. Daran hat sich auch beim aktuellen Modell nichts geändert. Schade nur, ein ungewöhnliches Detail gibt es nicht mehr: die liebe- und kunstvoll zusammengeschnürten Scheiben-Gardinen. Sie entsprechen nun deutschem Standard.