„Gemeinsam durch die Krise“ war in diesem Jahr das Motto der Mitgliederversammlung der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) am 17. Januar in Stuttgart. Die Bustouristik werde sich auch 2023 mit mehreren Krisen auseinandersetzen müssen, sagte der gbk-Vorsitzende Hermann Meyering. Zu den Problemen, mit denen die Unternehmen zu kämpfen haben, gehören die hohen Krankenstände, die wirtschaftliche Unsicherheit bei den Kunden sowie die stark gestiegenen Preise Preise in Hotellerie und Gastronomie. Zwar habe man eine „verhältnismäßig gute Reisesaison 2022“ verzeichnen können, für den Winter aber sei kein gutes Ergebnis zu erwarten, sagte Meyering.
Als die große Herausforderung für die Busunternehmen bezeichnete Meyering den Personalmangel, von dem längst alle Branchen betroffen sind. Gerade mit Blick auf den Fahrermangel verwies der gbk-Vorsitzende darauf, dass die Branche trotz Kampagnen zur Rekrutierung von Fahrern im Inland auch auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sei. Die Einwanderung von Fachkräften zu erleichtern, wie es die Bundesregierung angekündigt hat, sei hier der richtige Weg. Zudem solle die Ausbildung zum Bus-Chauffeur auch aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden – ähnlich dem Bafög – schlug Meyering vor.
Deutschlandticket: gbk gegen eine Ausweitung auf den Fernbus
Mit Blick auf das von der Politik geplante Deutschlandticket, sagte Meyering, die Busreiseveranstalter hätten im vergangenen Sommer unter dem Neun-Euro-Ticket gelitten, dies lasse bei einer Einführung des bundesweit gültigen Billigtickets, das zum Start monatlich 49 Euro kosten soll, für „die Bustouristik nichts Gutes erwarten“. Mit dieser Einführung von Schnäppchenpreisen für den ÖPNV, zeige die Bundesregierung, dass sie „weit von der Realität entfernt“ ist, kritisierte Meyering.
In diesem Zusammenhang betonte Meyering, dass sich die gbk – wie auch schon bereits der Internationale Bustouristikverband RDA – klar gegen eine Ausweitung des Deutschlandtickets auf den Fernbus ausspreche. Mit der Einführung solcher Billigtickets stehe die Bustouristik nicht nur im Wettbewerb mit Fernzug, Flugzeug und dem Pkw, sondern nun auch dem Linienbus und dem Nahverkehrszug. In diesem Konkurrenzkampf sollten Busreiseveranstalter mit Qualität punkten, empfahl Meyering. Dies gehe über den Komfort einer Fahrt in einem modernen Reisebus hinaus, sondern umfasse eben auch die Qualität der Beratung sowie der Reiseleitung.
Hier würde die Sterneklassifizierung der Reisebusse besondere Relevanz gewinnen, denn „aufgrund von Sparzwängen sowie Engpässen bei Personal und Material stehen Unternehmen in der Gefahr, Abstriche bei der Qualität zu machen“, sagte Meyering. „Deshalb suchen anspruchsvolle Verbraucher nach Kennzeichnungen, die hohe Standards garantieren.“ Zudem könnten Busunternehmer ihre Preisunterschiede auch im Anmietverkehr auf der Basis des differenzierten Klassifizierungssystems begründen.
RAL Gütezeichen Buskomfort europaweit geschützt
Last but not least, beschlossen die gbk-Mitglieder auch eine wichtige Satzungsänderung mit Blick auf die Verfolgung von Missbrauch der Bussterne. Hintergrund ist, dass die gbk jetzt beim Bundesamt für Justiz als qualifizierter Wirtschaftsverband nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb gelistet ist und das RAL Gütezeichen Buskomfort beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) als Unionsgewährleistungsmarke eingetragen wurde. Damit könne man „den Missbrauch des RAL Gütezeichens Buskomfort auch unter der veränderten Gesetzeslage weiterhin bekämpfen“, so der Verband. Die dazu notwendigen Satzungsänderungen wurden einstimmig angenommen.
Einen Missbrauch der Bussterne auch gleich europaweit zu verfolgen, sei aber zuerst nicht unbedingt angedacht, sagte Hermann Meyering und erklärte „Ich glaube nicht, dass wir so schnell dazu kommen, dass wir in ganz Europa Gerichtsverfahren anstrengen. Das sehe ich so schnell nicht.“
Spannende Entwicklung beim Reisebusantrieb
Als eine weitere Herausforderung für die Busreiseunternehmen nannte der gbk-Vorsitzende die von der EU geplante Euro 7-Norm für den Nutzfahrzeugbereich. Diese neuen Vorgaben ließen eine Kostensteigerung für Busse und Lkw erwartet, sagte Meyering. „Spannend“ nannte er die weitere Entwicklung mit Blick auf alternative Antriebe von Reisebussen. Die Ankündigung von Daimler Buses einen Reisebus mit Elektroantrieb anbieten zu wollen, habe hier in der Branche „aufhorchen lassen“.
Man sei sehr gespannt, was hier komme, gleichzeitig brauche es für einen Elektroantrieb im Reisebussektor auch die entsprechende Infrastruktur, wies Meyering darauf hin, dass es mit einem neuen Antrieb nicht getan ist. Es sei für die Bustouristik wichtig, wo man künftig Ladepunkte in den Städten und touristischen Zielgebieten platziere. Dies sei eine zentrale Aufgabe künftiger Stadtplanung.