Eine Überführungsfahrt vom schwedischen Arvidsjaur nach Stockholm im Spätwinter dieses Jahres bot die einmalige Gelegenheit, den Tourismo K auf rund 900 Kilometern im Praxiseinsatz und unter teils winterlichen Bedingungen etwas genauer kennenzulernen. Zwar war kein Verbrauchsmessgerät an Bord und die Zuladung beschränkte sich auf die Kofferräume, doch auch mit dieser „Leerfahrt" lassen sich belastbare Schlüsse auf das Gesamtkonzept des Busses ziehen.
Das ist umso interessanter, da der „K" ja der inoffizielle Nachfolger des nur mäßig erfolgreichen Tourino aus portugiesischer Produktion ist. Größter Unterschied: Der Tourismo K muss korrekterweise den Großbussen zugeordnet werden, denn er ist ein reinrassiges Baukastenprodukt. Die Tourismo-Gene finden sich an so gut wie sämtlichen Stellen und am deutlichsten fällt das bei der Fahrzeugbreite auf. Die beträgt nämlich 2,55 Meter. Mag sein, dass es den einen oder anderen gibt, der die schmalen 2,40 Meter vermisst, doch allzu viele dürften es nicht sein, die Nachteile der schmalen Bauweise überwiegen doch zu deutlich. Im Reisebus steht ein Kriterium an oberster Stelle: Platz. Und so gilt, Platz ist durch nichts anderes zu ersetzen, als durch noch mehr Platz. Der Spruch kommt dem einen oder anderen Leser in abgewandelter Form bekannt vor? Mag sein, wobei die „Hubraum-Nummer" ja längst widerlegt ist. Gilt besonders auch für Nutzfahrzeugmotoren, dazu hier gleich mehr
Wer den Tourismo K betritt, dem fällt zuerst der großzügige Gesamteindruck auf. Die Stehhöhe beträgt im Mittelgang knapp zwei Meter. Das ist jetzt nicht übermäßig viel und Fahrgäste mit einer Körpergröße von über 1,80 Meter haben beim Laufen durch den Bus beste Einblicke in die Gepäckablagen – die befinden sich nämlich auf Augenhöhe – doch beengt ist das nicht. Ohnehin verbringt man die meiste Zeit im Bus sitzend und da lässt der Rundumblick für den gerade einmal 3,36 Meter hohen Bus nichts zu wünschen übrig. Eine solche Fahrzeughöhe prädestiniert den „K" zweifellos für so manche Strecke, die seinen höheren Kollegen versperrt bleibt. Wird der Bus im Drei-Sterne-Abstand bestuhlt, dann passen 41 Fahrgastsitze in den Innenraum. Wenn man sich aber schon für diesen Clubbus entscheidet, dann sollte man auch seinen potenziellen Kunden ein gewisses Maß an Sitzkomfort bieten. Mit im Schnitt 32 Sitzen lässt es sich jedenfalls prima reisen. Die Bestuhlung Travel Star Eco ist vielfältig verstell- und konfigurierbar und bietet auch auf längeren Touren ausreichend Sitzkomfort. Das gilt auch für den Fahrer, der einen vollwertigen Arbeitsplatz vorfindet. Übersichtlichkeit und Anordnung von Schaltern und Ablagen entsprechen dem normal großen Tourismo und wie auch dort sitzt der digitale Tachograf viel zu weit unten. Ebenfalls aufpassen müssen alle Liebhaber von heruntergelassenen Sonnenrollos. Das rechte verdeckt nämlich bereits nach kurzer Vertikalverstellung inakzeptabel stark den rechten Außenspiegel. Da hilft dann nur eine Schirmmütze.
Mercedes-Benz Tourismo K

