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Understatement in Klein

27.05.2015 11:23 Uhr
© Foto: Sascha Böhnke

Vor gut zwei Jahren stellte Mercedes-Benz den Tourismo K vor. Er soll Kunden bringen, die entweder mit dem ­Vorgänger Tourino nichts anfangen konnten oder aber auf der Suche nach einem großen Midi sind. Sie dürften fündig geworden sein, denn der Tourismo K vereint zahlreiche Vorteile aus der Welt der Großen und der Kleinen.

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Eine Überführungsfahrt vom schwedischen Arvidsjaur nach Stockholm im Spätwinter dieses Jahres bot die einmalige Gelegenheit, den Tourismo K auf rund 900 Kilometern im Praxiseinsatz und unter teils winterlichen Bedingungen etwas genauer kennenzulernen. Zwar war kein Verbrauchsmessgerät an Bord und die Zuladung beschränkte sich auf die Kofferräume, doch auch mit dieser „Leerfahrt" lassen sich belastbare Schlüsse auf das Gesamtkonzept des Busses ziehen.

Das ist umso interessanter, da der „K" ja der inoffizielle Nachfolger des nur mäßig erfolgreichen Tourino aus portugiesischer Produk­tion ist. Größter Unterschied: Der Tourismo K muss korrekterweise den Großbussen zugeordnet werden, denn er ist ein reinrassiges Baukastenprodukt. Die Tourismo-Gene finden sich an so gut wie sämtlichen Stellen und am deutlichsten fällt das bei der Fahrzeugbreite auf. Die beträgt nämlich 2,55 Meter. Mag sein, dass es den einen oder anderen gibt, der die schmalen 2,40 Meter vermisst, doch allzu ­viele dürften es nicht sein, die Nachteile der schmalen Bauweise überwiegen doch zu deutlich. Im Reisebus steht ein Kriterium an oberster Stelle: Platz. Und so gilt, Platz ist durch nichts anderes zu ersetzen, als durch noch mehr Platz. Der Spruch kommt dem einen oder anderen Leser in abgewandelter Form bekannt vor? Mag sein, wobei die „Hubraum-Nummer" ja längst widerlegt ist. Gilt besonders auch für Nutzfahrzeugmotoren, dazu hier gleich mehr

Wer den Tourismo K betritt, dem fällt zuerst der großzügige Gesamteindruck auf. Die Stehhöhe beträgt im Mittelgang knapp zwei Meter. Das ist jetzt nicht übermäßig viel und Fahrgäste mit einer Körpergröße von über 1,80 Meter  haben beim Laufen durch den Bus beste Einblicke in die Gepäckablagen – die befinden sich nämlich auf Augenhöhe – doch beengt ist das nicht. Ohnehin verbringt man die meiste Zeit im Bus sitzend und da lässt der Rundumblick für den gerade einmal 3,36 Meter hohen Bus nichts zu wünschen übrig. Eine solche Fahrzeughöhe prädestiniert den „K" zweifellos für so manche Strecke, die seinen höheren Kollegen versperrt bleibt. Wird der Bus im Drei-Sterne-Abstand bestuhlt, dann passen 41 Fahrgastsitze in den Innenraum. Wenn man sich aber schon für diesen Clubbus entscheidet, dann sollte man auch seinen potenziellen Kunden ein gewisses Maß an Sitzkomfort ­bieten. Mit im Schnitt 32 Sitzen lässt es sich jedenfalls prima reisen. Die Bestuhlung Travel Star Eco ist vielfältig verstell- und konfigurierbar und bietet auch auf längeren Touren ausreichend Sitzkomfort. Das gilt auch für den Fahrer, der einen vollwertigen Arbeitsplatz vorfindet. Übersichtlichkeit und Anordnung von Schaltern und Ablagen entsprechen dem normal großen Tourismo und wie auch dort sitzt der digitale Tachograf viel zu weit unten. Ebenfalls aufpassen müssen alle Liebhaber von heruntergelassenen Sonnenrollos. Das rechte verdeckt nämlich bereits nach kurzer Vertikalverstellung inakzeptabel stark den rechten Außenspiegel. Da hilft dann nur eine Schirmmütze.


Mercedes-Benz Tourismo K

Mercedes-Benz Tourismo K Bildergalerie

Tourismo K
© Foto: Sascha Böhnke

Der kurze Radstand beeinflusst das Fahrverhalten nachhaltig

Ausreichend hell ist es dagegen im Fahrgastraum. Denn zusätzlich zu den recht großen Seitenscheiben gibt es mehrere transparente Dachluken, die das Innere angenehm aufhellen. Angenehm ist auch ein Besuch des Heck-WCs. Denn dieses bietet konstruktionsbedingt jede Menge Platz. Nicht sehr bequem ist dagegen das Arbeiten an der Podestküche. Denn der relativ niedrige Heckeinstieg (was wiederum gut für nicht so mobile Fahrgäste ist) macht ein leicht gebücktes Arbeiten notwendig. Da empfiehlt sich die Stehküche im Heck. Nachteil ist der Verzicht auf eine Sitz­reihe. Und da wären wir wieder beim Thema Platz, der durch nichts zu ersetzen ist … Wo die Platzthematik jedoch ein Thema im positiven Sinn ist, ist der Wendekreis. Kein Wunder, bei einem Radstand von fünf Metern sind eben auch 17 Meter Wendekreis möglich, insbesondere, wenn der Radeinschlag 58 Grad beträgt. Doch schon wieder kommt ein „Aber“. Denn 4,98 Meter Radstand spürt man eben auch während der Fahrt, sobald die Straße nicht absolut topfeben ist. Da beginnt der Bus dann auch schon mal, sich leicht aufzuschaukeln. Und der Fahrer denkt sich hinterm Lenkrad „Was ist der Bus doch für ein nervöser Geselle“. Denn schon kleinste Lenkbewegungen setzt der Tourismo K in deutlich zu spürende Seit-Bewegungen um. Mag sein, dass dies deswegen besonders auffiel, weil der Testfahrer die Tage zuvor mit deutlich längeren Bussen unterwegs war, ein dreiachsiger 14-Meter-Bus liegt nun mal Lichtjahre satter auf der Straße. Allerdings – und das soll nicht unterschlagen werden – nach einer Weile gewöhnt man sich an den kleinen Zappelphilipp. Und dann ist man mit dem „K“ genauso ­souverän unterwegs, wie mit jedem anderen Bus auch. Angetrieben wird der Bus vom kleinen OM 936 mit 354 PS. Das Drehmoment beträgt 1.400 Nm. Klingt nicht viel, doch in Verbindung mit dem Power Boost-System, welches beim Anfahren für mehr Schwung sorgt, lässt sich das Fahrzeug nicht nur in der Ebene ordentlich bewegen. Das Testfahrzeug war mit dem Daimler-eigenen Powershift-Getriebe ausgestattet (serienmäßig wird manuell geschaltet). Wie auch bei seinen schwereren Brüdern leistet das automatisierte Schaltgetriebe eine vorzügliche Arbeit. Auch in Sachen Sicherheit lässt sich dieser Bus nur wenig vormachen. ESP ist an Bord genauso wie in Kürze der zur Pflicht werdende Notbremsassistent EBA in einer einfachen Version. Was es leider nicht gibt, ist ein Abstandsregeltempomat oder ein Spurassistent. Gut, so etwas findet man auch bei seinen großen Brüdern nicht, doch es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Plattform einer Überarbeitung bedarf. Wen das jedoch nicht stört, der bekommt mit dem Tourismo K ein Fahrzeug an die Hand, welches auch im Kleinen jede Menge Größe zeigt. Ob moderner Antrieb oder überzeugendes Raumkonzept, nie hat es so viel Freude gemacht, wendig und zugleich komfortabel in kleiner Gruppe zu reisen. (sab)
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